
Titeltraum platzte nach wenigen Metern
Beim Saisonfinale der FIA World Touring Car Championship in Macau feierte Andy Priaulx vom BMW Team UK im ersten Lauf den Sieg und belegte im zweiten Rennen Platz fünf. Mit insgesamt 73 Punkten sicherte er sich zum zweiten Mal in Folge den WM-Titel. Jörg Müller (Hückelhoven) vom BMW Team Germany musste sich seinem Markenkollegen nur um einen Punkt geschlagen geben. Der 37-Jährige gewann den zweiten Lauf auf dem "Guia Circuit" nachdem er in Lauf eins als Sechster ins Ziel gekommen war. In der Herstellerwertung hat BMW zum Saisonende 254 Punkte auf dem Konto und einen Vorsprung von 19 Punkten auf Verfolger SEAT. Auch in dieser Meisterschaft gelang somit die Titelverteidigung.
Priaulx trug sich auf einer der anspruchsvollsten Strecken der Welt in die Geschichtsbücher ein. Er ist der erste Tourenwagen-Pilot seit Robert Ravaglia (ITA), dem heutigen Teamchef von BMW Team Italy-Spain, der drei Mal in Folge eine offizielle FIA Tourenwagen-Meisterschaft für sich entscheiden konnte. 2004 gewann er die Tourenwagen-EM, im vergangenen Jahr triumphierte er in der FIA WTCC. Wann immer ein WM-Titel im Tourenwagensport vergeben wurde, ging Platz eins an einen BMW Fahrer. Der Gewinn des Fahrer- und Herstellertitels ist der krönenden Abschluss einer erfolgreichen Debütsaison des BMW 320si WTCC. Die Fahrer der BMW Länderteams errangen elf Siege in 20 Rennen mit dem von BMW Motorsport auf Basis des gleichnamigen Serienmodells komplett neu entwickelten Rennwagen.
Mit einem guten Start ins erste Rennen von der Poleposition legte Priaulx den Grundstein für den erneuten Titelgewinn. Er verteidigte die Spitze und zeigte im Anschluss eine fehlerfreie Leistung. Dahinter ging es turbulent zu: Duncan Huisman (NLD) vom BMW Team Italy-Spain machte am Start zwei Positionen gut und ging als Zweiter in die erste Kurve. Jörg Müller, der vom fünften Platz gestartet war, verlor einen Rang. Sein Teamkollege Dirk Müller (Burbach), der sich als WM-Sechster ebenfalls noch Hoffnungen auf den Gewinn der Weltmeisterschaft machen durfte, hatte Pech. Bei der Anfahrt auf die berüchtigte Lisboa-Kurve wurde er von Fabrizio Giovanardi (ITA) angeschoben und verlor die Kontrolle über sein Auto. Quer stehend blockierte der 31-Jährige kurzzeitig die Fahrbahn, konnte das Rennen wenig später aber wieder aufnehmen. Mehr als der 14. Platz war für ihn allerdings nicht mehr möglich. Damit verabschiedete sich Dirk Müller vorzeitig aus dem Titelrennen. "Ich habe zurückgesteckt, um eine Kollision mit Andy zu vermeiden. Daraufhin habe ich Plätze verloren und wurde schließlich von einem Gaststarter umgedreht“, kommentierte der Burbacher die entscheidende Szene gefrustet. „Das war nicht das, was ich im Titelkampf gebraucht habe. Natürlich bin ich tief enttäuscht, denn ich hätte mir mehr erhofft."
Auch Alessandro Zanardi (ITA) vom BMW Team Italy-Spain und Jan Magnussen (DEN), der für das BMW Team UK antrat, waren in diesen Zwischenfall verwickelt. Magnussen musste sein Auto beschädigt in der Box abstellen, während Zanardi nach einem Reparatur-Stopp zumindest ins Rennen zurückkehren konnte. Der 40-Jährige kam als 23. ins Ziel. An der Spitze diktierte Priaulx das Tempo und sammelte nach neun Runden zehn wertvolle WM-Punkte. Huisman zeigte ebenfalls eine starke Vorstellung und sah als Zweiter die Zielflagge.
Mit 69 Zählern hatte Priaulx zu diesem Zeitpunkt fünf Punkte Vorsprung auf Augusto Farfus (BRA) und sieben auf Jörg Müller. Diese beiden Piloten lieferten sich ein spannendes Duell um den fünften Platz. Jörg Müller fuhr schließlich als Sechster über die Ziellinie. Die WM-Entscheidung fiel also im letzten Lauf der Tourenwagen-Weltmeisterschaft 2006.
Jörg Müller musste das zweite Rennen unbedingt gewinnen, um den Rückstand auf Priaulx zu verkürzen - und er stellte schon am Start die Weichen auf Sieg. Vom dritten Platz schoss er an Peter Terting (DEU) und Tom Coronel (NLD) vorbei und übernahm so die Führung. Allerdings verbesserte sich auch Priaulx um zwei Positionen und war auf dem sechsten Platz unterwegs, als das Safety-Car am Ende der ersten Runde auf die Strecke fuhr. Wie im ersten Lauf war es im Mittelfeld zu einer Massenkollision gekommen, an der auch BMW Fahrer beteiligt waren. So fiel Huisman vom siebten Startplatz bis auf Rang 17 zurück. Magnussen musste das Rennen vorzeitig aufgeben. Dirk Müller verbesserte sich hingegen vom 14. auf den achten Platz, Zanardi schob sich vom 21. auf den elften Rang nach vorn. Für Priaulx und Jörg Müller war jedoch von größerer Bedeutung, dass der dritte Titelanwärter Farfus in der ersten Runde die Streckenbegrenzung berührt hatte und vorzeitig ausgeschieden war. Somit machten die beiden BMW Fahrer den Titel unter sich aus.
Ende der vierten Runde bog das Safety-Car wieder in die Boxengasse ab. Jörg Müller profitierte beim Re-Start von technischen Problemen am Auto von Terting, der den Rest des Feldes aufhielt. Entsprechend konnte sich Jörg Müller schnell absetzen und einen ungefährdeten Sieg einfahren. Priaulx hätte bereits der sechste Platz genügt, um den Titel zu gewinnen. Nach Tertings Ausscheiden rückte der 32-Jährige allerdings sogar auf Rang fünf vor, den er bis ins Ziel verteidigte. Damit gewann er vier WM-Punkte und hielt auf diese Weise Jörg Müller in der Fahrerwertung knapp hinter sich. "Ich bin überwältigt“, freut sich der frischgebackene Champion Andy Priaulx. „Der Druck in diesen beiden Rennen war riesig. Jörg hat mich durch seine starke Leistung dazu gezwungen, im zweiten Lauf das beste Rennen meines Lebens zu fahren“. Dirk Müller sicherte dank des achten Rangs im zweiten Rennen zumindest Platz sechs in der Fahrerwertung. –sbe, Quelle BMW