
Müller mit Frentzen beim 24h-Rennen
Mit einem revolutionären Antriebskonzept, nämlich der Kombination aus Benzin- und Elektromotor will der Formel-1-Vizeweltmeister von 1997 den Langstrecken-Klassiker am 24./25. Mai auf der berühmten Nordschleife in Angriff nehmen. Damit stellt sich ein privates Team rund um den dreimaligen Grand-Prix-Sieger der Herausforderung, die in der Königsklasse erst ab 2009 mit der Einführung von Hybrid-Systemen vorgesehen ist.
“Der Motorsport darf die Notwendigkeit, Energie zu sparen, nicht ignorieren. Ich sehe vielmehr die Chance, dass unser Sport wieder zum Vorreiter einer technischen Entwicklung werden kann, die unsere Autos auch abseits der Rennstrecke deutlich energieeffizienter macht“, erklärte Frentzen die Gründe für sein Engagement: „Der ADAC Nordrhein als Veranstalter des Rennens hat alternativen Antriebskonzepten schon seit Jahren die Tür geöffnet. Jetzt gibt er in Übereinstimmung mit dem DMSB auch unserem Projekt, das ansonsten international noch nicht in die existierenden Reglements passt, eine Chance.“
Abschließende Gespräche hatte „HHF“ am vergangenen Wochenende im Rahmen des DTM-Rennens in Oschersleben mit dem Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) geführt und dabei grünes Licht für den Einsatz in der „Grünen Hölle“ erhalten.
Der spektakuläre Rennwagen basiert auf dem Apollo-Super-Sportwagen, der im März 2007 auf dem Genfer Autosalon seine Weltpremiere feierte und der von einem 3,3-Liter-V8-Biturbomotor angetrieben wird. Unterstützt wird das Triebwerk von einem maximal etwa 100 KW (136 PS) leistenden Elektromotor, dessen Kraft aber systembedingt nicht ständig und in vollem Umfang zur Verfügung steht. Insgesamt kann der Hybrid-Renner bis zu 630 PS mobilisieren.
Beim „Ring-Apollo“ wird mittels Rückgewinnung der sonst bei jedem Bremsvorgang vernichteten Energie ein Elektromotor angetrieben, der den konventionellen Motor dabei unterstützt. Die zusätzlichen elektrischen Komponenten kosten allerdings Gewicht und deshalb glauben Experten, dass solch ein Rennwagen nicht für den Gesamtsieg in Frage kommt.
Dennoch ist der frühere Zakspeed- und Formel-1-Motoreningenieur von Toyota, Norbert Kreyer - der technisch für das Projekt verantwortlich zeichnet - optimistisch, ein Stück Motorsportgeschichte zu schreiben: „Wir sind uns der Schwere der Aufgabe sehr wohl bewusst. Aber ich bin überzeugt, dass wir es schaffen, mit unserem innovativen Konzept zu zeigen, welche Möglichkeiten schon jetzt in der Hybrid-Technologie stecken“, sagt Kreyer: „Das Hybrid-Konzept, so wie wir es jetzt einsetzen, ist nur eine Entwicklungsstufe hin zu einem Fahrzeug, dessen elektrische Komponenten immer mehr Bedeutung erlangen.“
“Die Fahrleistungen sind sehr beeindruckend, fast schon Angst einflößend“, meint Rallye-Ikone Walter Röhrl, der die „zivile“ Flunder bereits getestet hat. Der Straßen-Sportwagen, der serienmäßig sogar mit einem 800-PS-Motor käuflich erworben werden kann, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 360 km/h und ist mit einem sequenziellen Sechs-Gang-Getriebe ausgestattet.
Heinz-Harald Frentzen, der nach seinem DTM-Ausstieg Ende 2006 zuletzt in der Speedcar-Serie wieder einmal Rennluft schnupperte, ist die treibende Kraft bei diesem ehrgeizigen Projekt. Dem 40-jährigen Mönchengladbacher und seiner Mannschaft fehlen allerdings die Unterstützung und finanziellen Möglichkeiten eines Automobilherstellers. Deshalb will man die fehlenden Ressourcen mit hoher Flexibilität und Pioniergeist ausgleichen.
Zudem konnte der Wahlmonegasse Frentzen seinen Monte-Carlo-Nachbarn, Ferrari-Werksfahrer Dirk Müller engagieren. Der Burbacher wurde für den Eifel-Marathon von seinem Arbeitgeber freigestellt. Müller hat das 24-h-Rennen 2004 als BMW-Werksfahrer in einem Schnitzer-M3-GTR gewonnen und wurde damit ein Jahr später Gesamtzweiter. Sein neuer Teamkollege, der in 157 Formel-1-Rennen drei Siege holte und 1997 Vize-Weltmeister sowie 1999 WM-Dritter war, hatte nach seinem Abschied aus der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft Ende 2006 pausiert. Erst vor knapp drei Wochen hatte Frentzen beim Speedcar-Rennen in Bahrain sein Comeback gefeiert. Seinen ersten und bisher einzigen Einsatz beim Eifel-Klassiker hatte der frühere Formel Opel-Lotus-Gewinner Frentzen vor 20 Jahren in einem Opel Astra. 1988 war der heutige Audi-Werksfahrer Marco Werner einer seiner Partner. Wer bei der langen Hatz zweimal rund um die Uhr neben Frentzen und Müller noch zum Einsatz kommt, wird erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.
Die 36. Auflage des 24-Stunden-Rennens sprengt unterdessen alle Rekorde. 279 Teams haben genannt, aber nur 220 dürfen laut einem FIA-Abnahmeprotokoll am 24. Mai um 15.00 Uhr an den Start gehen.
Quelle: www.motorsport-aktuell.com